Formen und Ursachen von Inkontinenz

Inkontinenz

Inkontinenz kommt vom lateinischen incontinentia und bezeichnet „das Unvermögen, etwas halten zu können“. Millionen von Menschen, Männer und Frauen, Junge und Alte, leiden an dieser Blasenschwäche.

Funktion der Blase

Harn, der in der Niere gebildet wird, gelangt über zwei Harnleiter in die Blase. Sie kann 300 bis 500 Milliliter fassen. Füllt sich die Blase, wird über Nervensignale der Harndrang ans Gehirn gemeldet. Während des Wasserlassens öffnet sich ein Schließmuskel, der zwischen Blase und Harnröhre liegt. Die Harnröhre selbst ist von Schließmuskulatur umgeben.

Von Inkontinenz spricht man, wenn die Funktionen dieser Mechanismen nicht mehr gewährleistet sind.

Definition der Inkontinenzgrade

Es gibt mehrere Arten der Inkontinenz :

  • Leichte Inkontinenz (Stressinkontinenz):
    Urinverlust in kleinen Mengen bei bestimmten Belastungssituationen wie niesen, husten, lachen oder Sport (weniger als 100 ml / 4 h).
  • Mittlere Inkontinenz (gemischte Inkontinenz):
    Abgang von mittleren bis grösseren Urinmengen in unregelmässigen Abständen bei Belastungen und starkem Harndrang mit nicht mehr beherrschbarem Urinabgang (Urinverlust 100 – 200 ml / 4 h).
  • Schwere Inkontinenz (Drang- /Reflexinkontinenz):
    Plötzliche vollständige Blasenentleerung mit grossen Urinmengen.  (Urinverlust mehr als 200 ml / 4 h)
  • Totale Inkontinenz
    Unkontrollierter, dauernder Urin- und Stuhlabgang

Belastungsinkontinenz

Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form weiblicher Harninkontinenz und tritt häufig nach Geburten und am Beginn der Menopause auf. Ursachen sind eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur (Geburten), angeborene zu kurze Harnröhren oder operative Verletzungen des Schließmuskels, was zum Abgang kleiner Urinmengen führt. Der Urinverlust wird ausgelöst durch erhöhten Druck im Bauchraum, sei dies aufgrund von Husten, Niesen, Lachen oder anderen körperlichen Anstrengungen.

Bei Männern tritt die Belastungsinkontinenz selten auf, wenn dann häufig nach Prostataoperationen.

Dranginkontinenz

Der oder die Betroffene ist nicht in der Lage, den Harndrang wahzunehmen oder ihn zu unterdrücken. Die Toilette kann deshalb häufig nicht rechtzeitig erreicht werden, da sich die Blase schon nach 2-3 Sekunden entleert.

Die Ursachen sind Harnwegsinfektionen, Nierensteine, Reizung der Blasenwand (Katheter), Störungen des zentralen Nervensystems und hohes Alter. Der Verschluss der Blase kann durch das Gehirn nicht mehr ausreichend gesteuert werden.

Überlaufinkontinenz

Durch Verengungen oder teilweisen Verschluß der Harnröhre kann der Urin aus der Blase nicht ablaufen, was zu Abflusstörungen und Überfüllung der Blase führt. Die Blase wird nie vollständig entleert so dass der überlaufende Urin nach dem Verlassen der Toilette heraus tropft.

Überlaufinkontinenz kommt häufig bei Männern mit Prostatavergrößerungen vor. Einer von drei Männern über 50 leidet an dieser Art von Inkontinenz.

Funktionale Inkontinenz

Von funktionaler Inkontinenz spricht man, wenn es der Person nicht möglich ist, eine Toilette aufzusuchen, diese verschlossen ist oder keine richtige Benutzung möglich ist.

Dies kann durch einen reduzierten Geisteszustand, unangenehme Umgebung (z.B. verschmutzte Toiletten), fehlende Privatsphäre oder durch nicht ausreichende Zeit beim Aufenthalt auf der Toilette verursacht werden und tritt meistens in Alters- und Pflegeheimen auf.

Reflexinkontinenz

Reflexinkontinenz ist die schlimmste und am schwersten zu behandelnde Form der Harninkontinenz. Normalerweise gibt die Blase ein Signal an das Gehirn, dass eine Entleerung notwendig ist – was zum Gang zur Toilette führt. Bei Reflexinkontinenz fehlt dieses Informationssignal und die Blase entleert sich ohne Vorwarnung.

Häufig ist dies die Folge bei Rückenmarksverletzungen oder im Finalstadium von Multipler Sklerose. Es kann aber auch als Nebeneffekt anderer Krankheiten auftreten.

Nächtliches Bettnässen

Der unbewusste Abgang von Urin während des Schlafens in der Nacht bezeichnet man als nächtliches Bettnässen. Dies kann vielerlei Ursachen haben, wie zu tiefer Schlaf, ADH-Hormonmangel, überaktive Blase, das Schlafapnoe-Syndrom oder psychische Belastungen.

Risikogruppen

Frauen haben ein doppelt so hohes Risiko an Inkontinenz zu erkranken wie Männer. Gründe dafür sind in der Anatomie, Schwangerschaften und der Menopause zu finden.

  • Gynäkologische Operationen (z.B. Gebärmutterentfernung) erhöhen das Risiko
  • Wenn im Alter die Blasen-Muskeln erschlaffen, läuft man Gefahr, allmählich inkontinet zu werden. Dazu kommen die neurologischen Störungen, denen ältere Menschen mehr und mehr ausgesetzt sind.
  • Männer, die Prostataprobleme haben
  • Menschen, die unter einer Blasenabsenkung oder Blasensteinen leiden.
  • Menschen, die häufig Harnwegsinfektionen hatten
  • Menschen, die an einer neurologischen Störung leiden: Parkinson, Alzheimer, Multiple Sklerose, periphere Diabetes-Neuropathie, Verletzungen des Rückenmarks, Hirnschlag etc.

Schweregrade

Bei der Belastungsinkontinenz unterscheidet man zwischen vier Schweregraden:

  • Grad 1: Unwillkürlicher Urinabgang bei schweren körperlichen Belastungen wie Husten, Niesen, Lachen, Hüpfen oder Springen
  • Grad 2: Unwillkürlicher Urinabgang bei leichten körperlichen Belastungen wie Gehen, Hinsetzten, Aufstehen, Treppensteigen
  • Grad 3: Unwillkürlicher Urinabgang im Stehen
  • Grad 4: Unwillkürlicher Urinabgang auch im Liegen

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